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Luxemburgische Unternehmen für ein nationales Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht


Im Rahmen der aktuellen Debatten über ein luxemburgisches Gesetz zum Thema Menschenrechte und Wirtschaft sprechen sich 32 Unternehmen aus 8 verschiedenen Wirtschaftssektoren für eine nationale Gesetzgebung zur menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflicht aus. Der luxemburgische Verband der Sozial- und Solidarwirtschaft (ULESS), der über 200 Wirtschaftsakteure mit 20.000 Angestellten umfasst, gehört ebenfalls zu den Unterzeichnern des «Business Statements», welches von der Initiative pour le devoir de vigilance initiert wurde[1].


Die Gruppe der luxemburgischen Unternehmen, welche die Erklärung unterzeichnet haben, setzt sich aus klein- und mittelständischen Unternehmen, sowie aus Großunternehmen mit Umsätzen von mehreren Millionen Euro zusammen.


Die Forderung nach einer Gesetzgebung im Bereich einer menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflicht der Unternehmen lautet wie folgt:


Gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte tragen Unternehmen Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten – auch in ihren Wertschöpfungsketten. Einige Unternehmen haben bereits Schritte unternommen, um ihrer Verantwortung nachzukommen. Die Erfahrung zeigt aber, dass freiwillige Selbstverpflichtungen allein nicht ausreichen. Es bedarf verbindlicher Sorgfaltspflichten, die von allen angemessen umgesetzt werden.


Eine gesetzliche Regelung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten würde zu Rechtssicherheit und gleichen Wettbewerbsbedingungen („level playing field“) beitragen. Sie würde sicherstellen, dass für alle der gleiche Standard gilt und kein Unternehmen sich ohne Konsequenzen seiner Verantwortung entziehen oder Gewinne auf Kosten von Mensch und Natur machen darf. Das erwarten auch die Beschäftigten, die Kunden, die Investoren und die Öffentlichkeit von uns.


Wir begrüßen es, wenn mit einem Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht in Luxemburg der Weg für eine anspruchsvolle europäische Regelung geebnet würde.“


Mit dieser Erklärung schließen sich auch Akteuren aus der Wirtschaft den Forderungen der Zivilgesellschaft und der Bevölkerung an: Laut einer aktuellen TNS-ILRES-Studie unterstützen 92 % der Bevölkerung die Idee, ein nationales Gesetz zu verabschieden, das Unternehmen mit Sitz im Luxemburg verpflichtet, Maßnahmen zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zu ergreifen.


Im Finanzsektor, der wichtigsten Säule der luxemburgischen Wirtschaft, besteht ebenfalls eine wachsende Dynamik zugunsten gesetzlicher Standards. Eine aktuelle Studie, die im Auftrag von „Luxembourg for Finance" von „Finance and Human Rights asbl" in Zusammenarbeit mit der Universität Genf ausgeführt wurde, bestätigt diese Entwicklung. Die Mehrheit der Finanzexperten in der Branche ist der Meinung, dass der „der Respekt der Menschenrechte nicht allein freiwilligen Initiativen überlassen werden darf und dass die Regierungen klare gesetzliche Standards hierzu setzen müssen". 75 % der Finanzexperten sind der Meinung, dass die Regierungen eine Rolle bei der Verabschiedung von entsprechenden Gesetzen in Sachen Menschenrechte übernehmen sollten.


Eine ähnliche Dynamik ist auch in mehreren europäischen Ländern zu verzeichnen, wo Unternehmen einen entsprechenden Appell an ihre jeweiligen Regierungen gerichtet haben, damit diese Gesetze erlassen, die eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht vorschreiben. In Deutschland haben zum Beispiel 71 Unternehmen aus 10 verschiedenen Wirtschaftszweigen, die zusammen einem Jahresumsatz von 175 Milliarden Euro erwirtschaften, ein Lieferkettengesetz gefordert.


Derzeit wird in Luxemburg im Auftrag des Außenministeriums eine Studie der Universität Luxemburg in Bezug auf eine mögliche Gesetzgebung im Bereich der Umsetzung der UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte durchgeführt. Im nationalen Aktionsplan 2020-2022 „Wirtschaft und Menschenrechte" hat die Regierung ihrer Erwartung Ausdruck verliehen, dass sie von den Unternehmen einen umfassenden Respekt der Menschenrechte erwartet.

Der Appell der luxemburgischen Unternehmen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Wirtschaft um Verantwortung auf der Ebene der Lieferketten in einer globalisierten Welt zu übernehmen.



Anhang 1 : Stellungnahmen luxemburgischer Unternehmen


« Sech fir een legalen Kader fir Menschenrechter an korrekt Emweltnormen an de Liwerketten an ze setzen ass nit nemmen eng moralisch Pflicht, mais et wärt och een ekonomischen avantage fiir dei Firmen duerstellen dei sech dozou engageieren. Anstatt emmer ze kucken waat een ze verleieren huet oder ze färten et hätt een manner Optiounen, brengt et vill mei ze kucken waat et engem brengt an waat dei positiv retombeen vun sou enger démarche sin, fir engem seng Firma, mais och fiir d’Matarbichter an d’Klienten. Peintures Robin ass schon laang dovunner iwerzeegt an wellt mam gudden Beispill vir goen.»


Gérard Zoller – CEO Peintures ROBIN S.A.



« Im Sinne der Gemeinwohlökonomie gehören neben Umweltschutz und Ressourcenschonung auch die unternehmerische Sozialverantwortung untrennbar zu unserem selbst gestellten Anspruch und sind daher eine logische Konsequenz unseres Verständnisses von alternativem Wirtschaften.

Mit Blick auf unser Ideal des Assoziativen Wirtschaftens ist unsere Wertschöpfungskette daher auch eine Wertschätzungskette. Die Forderung nach „menschengerechten“ Arbeitsplätzen an jeder einzelnen Stelle dieser Kette versteht sich deshalb von selbst. Wir möchten dieser Verantwortung für unsere Unternehmensgruppe weiterhin gerecht werden und weiter entwickeln. Eine gesetzliche Regelung zu menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten befürworten wir.»


Änder Schanck – Directeur Général du Groupe OIKOPOLIS



« Luxlait ne peut, en tant qu’association agricole, que soutenir une démarche de diligence raisonnable qui nous semble être très importante à l’échelle du Luxembourg mais également mondiale. Luxlait a mis depuis très longtemps des processus pour identifier, prévenir, et éviter toutes dérives en termes d’incidences négatives sur les droits de l’homme, leur chaîne d'approvisionnement et leurs autres relations commerciales. Les droits humains mais aussi l’environnement doivent être respectés au maximum afin de s’inscrire, comme par ailleurs Luxlait s’inscrit, dans une véritable politique de développement durable ainsi que dans une politique de responsabilité sociétale. Il va de soi que 100% du lait, la matière première de Luxlait, vient exclusivement de la production luxembourgeoise des fermiers de Luxlait. Le respect des personnes, l’égalité homme femme sont chez Luxlait des valeurs fondamentales qui nous permettent d’avoir un climat social sain et pérenne.

Luxlait met tout en œuvre pour vérifier ses sources d’approvisionnement pour tous les ingrédients pouvant entrer dans la composition de ces produits.»


Marc Reiners – Président du conseil d’administration Luxlait



« L’ULESS soutient pleinement les démarches vers l’engagement de la responsabilité sociale et sociétale des entreprises, l'intégration des préoccupations sociales et écologiques des entreprises membres dans leurs activités commerciales et leurs relations avec leurs parties prenantes, dont notamment le respect des droits humains également dans les chaines de valeur.»


Raoul Schaaf – Président du conseil d’administration ULESS



« Chez thyssenkrupp Elevator, nous suivons de très près les développements politiques et sociaux qui relèvent de notre métier. Aussi, nous prenons très au sérieux la responsabilité sociale de notre groupe.

En tant que société présente dans le monde entier, thyssenkrupp Elevator a adopté des politiques internes qui mettent en place et qui donnent substance aux lois applicables tout en spécifiant ses propres standards de conduite. Ceux-ci sont obligatoires pour toutes les sociétés de thyssenkrupp Elevator, y compris thyssenkrupp Ascenseurs Luxembourg sàrl. Notre société luxembourgeoise a obtenu le label « Entreprise Socialement Responsable » en 2016 en reconnaissance à son engagement pour la responsabilité sociale. En même temps, elle a signé la « Charte de la Diversité » qui fait référence à des droits humains tels que l’égalité et la non-discrimination. En plus, nous avons développé et mis en œuvre un Code de Conduite interne qui exprime notre exigence d’intégrité. En plus de ces mesures concernant notre propre gestion des affaires, nous sommes déterminés à ce que nos fournisseurs et partenaires adhèrent aux mêmes standards afin de construire des relations d’affaires caractérisées par le respect mutuel. Pour cette raison, nous obligeons nos partenaires à se conformer au Code de Conduite pour les fournisseurs de thyssenkrupp Elevator. Nous sommes convaincus que cette approche est une contribution importante à garantir la responsabilité sociale du groupe.

Enfin, nous sommes heureux de constater que la grande majorité de la population luxembourgeoise partage notre vision de la responsabilité sociale des entreprises.»


Clément Wampach – CEO thyssenkrupp Elevator



Anhang 2: Unternehmen setzen sich europaweit für die Menschenrechte ein


In Finnland, das wie Luxemburg Kandidat für einen Sitz im UN-Menschenrechtsrat ist, haben sich mehr als 70 Unternehmen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft für die Einführung einer Gesetzgebung zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht eingesetzt. Die neue finnische Regierung hat beschlossen, diese Forderung auf nationaler Ebene zu konkretisieren, indem sie dies in ihr Regierungsprogramm (Juni 2019) aufgenommen hat.


In den Niederlanden gibt es bereits ein Gesetz für eine Sorgfaltspflicht hinsichtlich Kinderarbeit. Kürzlich haben 50 Unternehmen (u. a. Agrofair, ASN Bank, Bruggink & Van der Velden Advocaten Belastingadviseurs, IKEA Netherland, MUD Jeans, Triodos Bank) die Verabschiedung eines allgemeinen Gesetzes zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gefordert.


In Deutschland haben 71 Unternehmen aus 10 Wirtschaftszweigen mit einem Jahresumsatz von 175 Milliarden Euro einen Aufruf zur Verabschiedung eines nationalen Gesetzes zur menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflicht gestartet. Unter den Unterzeichnern finden sich Akteure wie Ritter Sport, REWE, Hapag Lloyd, Vaude, Tchibo, GLS Bank, Kik, GEPA, Studiosus, hess natur, die Umwelt Druckerei.


In Schweden wurde im September 2020 mit Unterstützung von 30 Unternehmen eine Kampagne zu einer gesetzlichen Sorgfaltspflicht initiiert. Unter den Unterstützern finden sich Unternehmen wie IKEA, H&M, Scania, Electrolux und Tony's Chocolonely.


In Belgien haben 60 Unternehmen und Verbände am 3. Februar 2021 einen Brief an die Regierung geschickt, in dem sie diese auffordern, einen nationalen Rechtsrahmen zu schaffen, der Unternehmen verpflichtet, Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte und der Umwelt in ihren Lieferketten zu übernehmen. Sie wurden dabei unterstützt von Enabels Trade for Development Centre und Fairtrade Belgien. Zu den Unterzeichnern dieses Aufrufs gehören Akteure wie Clarysse, Belvas, Ben&Jerry’s, Fairebel, Chocolaterie Galler.




[1] https://www.initiative-devoirdevigilance.org/

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